Weidelandschaft des Jahres 2019:     Wilde Weiden Taubergießen

Zwischen Freiburg und Offenburg liegt in der Oberrheinebene das Naturschutzgebiet Taubergießen. Seit den großen Ausbaumaßnahmen des Rheins Ende des 18. Jahrhunderts sind Weidelandschaften in der Oberrheinebene völlig verschwunden. Naturschutzfachlich und landschaftsökologisch ist die extensive Beweidung aber von großer Bedeutung für unsere Kulturlandschaft. Daher weiden seit einigen Jahren dort auf rund 70 Hektar Wald und 30 Hektar Offenland wieder das ganze Jahr über urige Salers-Rinder und Konik-Pferde.

Impressionen Wilde Weiden Taubergießen

Übergabe des Preises 24. Mai 2019

Bei bestem Frühlingswetter trafen sich am Donnerstag, 23. Mai, Fachleute, Projektpartner und geladene Gäste aus Kappel-Grafenhausen zu einem fachkundigen Rundgang durch die Wilden Waldweiden. Anschließend erfolgte die Preisverleihung mit einer Laudatio von Staatssekretär André Baumann. 

 

Unter Führung von Bernd Ihle, Vorsitzender des neu gegründeten Vereins Wilde Wald-Weiden e.V., erfuhr die Gruppe von den jüngsten Entwicklungen im Gebiet. So sind im Offenland knapp 1,7 ha hinzugewonnen worden. Durch den Bau einer kleinen Brücke konnten im südlichen Waldteil rund weitere fünf Hektar für die Weidetiere zugänglich gemacht werden. Diese Maßnahmen tragen mit dem Verbiss durch das Tiermaul und das Raum-Zeit-Verhalten der Weidetiere dazu bei, ehemals dunklen in lichten Wald umzuwandeln. Nur in lichten Wäldern kann die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren explodieren. Erfolge der Beweidung mit Rind und Pferd sind auch für Laien deutlich. Der große Insektenreichtum, der nicht zuletzt aus den zahlreichen Dunghaufen der Weidetiere oder aus dem zunehmenden Totholzanteil stammt, lockt Insektenfresser aller Art. Wendehals, Gartenrotschwanz und Neuntöter brüten jetzt im Gebiet, der höchst anspruchsvolle Wiedehopf wurde bereits gesichtet. 

 

Über diese Entwicklungen zeigte sich der Vorsitzende des Vereins Weidewelt e.V., Gerd Bauschmann, anerkennend erfreut. Er bezeichnete in seiner Rede die Wilden Weiden als hot spots der Biologischen Vielfalt, treffen doch die Vielfalt an Lebensräumen, Arten und genetische Vielfalt zusammen. Im vergangenen Jahr hatte er Gelegenheit, die Wilden Weiden zusammen mit Edgar Reisinger, Mitglied im Kuratorium „Weidelandschaft des Jahres“, kennen zu lernen. Beide sind ausgesprochene Kenner und Verfechter von Weidelandschaften. Ihr Verein, Weidewelt e.V., ein kleiner Verein fachkundiger Personen aus Landwirtschaft, Naturschutz, und Veterinärmedizin mit Sitz in Wetzlar, lobt jährlich den Preis „Weidelandschaft des Jahres“ aus, Plädoyer und Wertschätzung gleichermaßen, um naturschutzkonforme Landnutzung durch Beweidung zu fördern. 

 

„Die Wilden Weiden Taubergießen sind ein großes Vorbild für den Naturschutz in Baden-Württemberg“, würdigte der hochrangige Gast, Staatssekretär André Baumann aus dem Umweltministerium, „denn hier wird ein Stück alte Kulturlandschaft neu erschaffen. Die großen Weidetiere Rind und Pferd gestalten ihr Lebensumfeld. Sie brechen Grenzen zwischen Wald- und Offenland auf, die Artenvielfalt explodiert.“  Die Auszeichnung „Weidelandschaft des Jahres 2019“ beinhaltet nicht nur die hohe Wertschätzung für eine einzigartige Landschaft mit ihren besonderen Lebensräumen, Tieren und Pflanzen, sondern schließt auch einen großen Dank an die Menschen und Institutionen ein, die sich um ihren Erhalt verdient gemacht haben, so der Wortlaut der Urkunde, die sowohl von Jochen Paleit, Bürgermeister von Kappel-Grafenhausen, als auch von Dr. Regina Ostermann, Geschäftsführerin des Landschaftserhaltungsverbandes stellvertretend für alle Partner entgegen genommen werden durfte. 

 

Presseresonanz

Natur und Landschaft 2/2019

Badische Zeitung, 24. Mai 2019

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Lahrer Zeitung, 26. Mai 2019

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Der Guller, 26. Mai 2019

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Arche Nova 3/2019
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Natur_2019_12_S13.pdf
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